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Der LesePeter |
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Hier finden Sie die bisher mit dem LesePeter ausgezeichneten Titel. |
geht an Nathan Luff |
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| für das Kinderbuch | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Nichts für Weicheier | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Nathan Luff |
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Mum ist völlig ratlos.
Obwohl sich beide große Mühe geben, schaffen sie
und Nick nicht wirklich, den Tod des Vaters zu
verdauen.
Nicholas leidet seitdem
unter schwerem Asthma, besucht regelmäßig einen
Psychiater und hat sich völlig in die Welt
seiner Bücher zurückgezogen.
Als Mum die Möglichkeit zu einem
Studienaufenthalt im Ausland erhält, ergreift
sie die Chance für sich und für ihren Sohn und
bringt ihn für einige Wochen auf der Farm unter,
auf der sie selbst eine glückliche Kindheit
erlebte und wo heute ihr Bruder mit seiner
Familie immer noch Schafzucht betreibt.
Später erfahren wir, dass Nick den letzten
schweren Zusammenbruch des Vaters miterlebte.
Die nicht verarbeitete Trauer um den Vater
stürzt ihn in tiefe Abgründe, die zu dem
psychosomatischen Asthma führen. Diverse
Verdrängungsmechanismen, mit denen er die Trauer
und den Schmerz auf andere Ebenen überträgt,
isolieren ihn völlig von der Außenwelt.
Die ganze Zeit denkt man, irgendjemand muss
dieser unmöglichen Tante und diesen grausamen
Jungen doch Einhalt gebieten. Immer wieder wird
Nick in Situationen gedrängt, welche
Panikattacken auslösen, Obwohl er von den
Fähigkeiten seines Psychologen rein
verstandesmäßig nicht viel hält, sind die
Trainingsmuster, die ihn beruhigen sollen, in
den Notfällen abrufbar. Dadurch findet er in
seine analytischen Denkmuster hinein, die ihm
vertrauter sind und oftmals auch Problemlösungen
bieten.
Im Fortgang der Geschichte greift auch Nick zu
Mitteln, für die er sich eigentlich schämt, die
seine Verzweiflung aber deutlich machen. Er
bemerkt die Veränderung selbst: “Ich war bisher
so ein schüchternes Kerlchen gewesen. Ich
schaute an meinem neuen, zerschrammten,
aufgeschürften, blutenden Ich herunter und
fühlte mich zum ersten Mal seit sehr, sehr
langer Zeit mal wieder dreidimensional.“ Als Nick dann durch die der Gemeinheiten seiner Cousins in Lebensgefahr gerät, stürzt buchstäblich sein ganzes Leben über ihm zusammen. Nach der Lebensweisheit 'Was uns nicht umbringt, härtet uns ab', konfrontiert die Situation ihn überwältigend mit sich selbst, mit seinen Ängsten und Sorgen, seiner Trauer und seinen Selbstzweifeln. Er erkennt schließlich sogar seine Halluzination als solche und kann sie auf vertrautem Denkwege analysieren. Sein Kummer bricht sich endlich Bahn, 'fließt' aus ihm heraus und lässt die Heilung beginnen. „Meine Angst war weg. In mir war nur noch Schmerz.“ Der Kontrast zwischen dem komfortverwöhnten Großstadtjungen und den unabhängigen, „wilden“ Familienmitgliedern ist so scharf überzeichnet, dass die herannahenden Katastrophen fast greifbar werden. Man schüttelt innerlich den Kopf und wartet verzweifelt mit Nick auf Rettung.
Aus der Entfernung akzeptiert man die Notwendigkeit von Konsequenz, und es ist grundsätzlich völlig nachvollziehbar, dass der einzige Weg zu seiner Rettung in der Selbstbehauptung liegen und von dort in die Selbstheilung führen muss. Man versteht, dass dieser Prozess nur schmerzhaft sein kann. Es klingt alles folgerichtig, wird aber hier dank Nathan Luffs Beschreibung zu einer Zerreißprobe. Dass diese dennoch nicht ins Unglaubwürdige kippt, sondern immer knapp an der Grenze zur realen Möglichkeit verläuft, ist ebenfalls dem Talent des Autors zuzuschreiben Die Erziehungsmaßnahmen der Tante sind bei allem Erfolg aus pädagogischer Sicht überdenkenswert. Das bietet einen guten Anstoß, eigene Handlungen im Alltag auf den Prüfstein zu legen und auf ihre Zielrichtung und Angemessenheit hin zu betrachten.
Der Analytiker Nick vollbringt ständig
intellektuelle Höchstleistungen, seine Gefühle
beherrscht er wiederum nicht. Letztendlich
unterscheidet er sich gar nicht so sehr von
seinem pragmatischen Cousin James, der alles mit
den Händen regelt, mit seinen Gefühlen aber auch
nichts anfangen kann.
Viele Ideen und Details sowie die knapp
gezeichnete Landschafts- und Detailtreue der
Geschichte machen sie spannend. Etwas Besonderes
wird sie aber erst durch die Sprachgestaltung.
Der selbst erzählende 11jährige Nick ist seinen
Altersgenossen intellektuell weit voraus, ein
Denker und Planer. Er erzählt das Geschehen
nicht einfach nur, sondern wertet es 'wie ein
Klugscheißer'. Jede Situation analysiert er im
Voraus genau und rüstet sich für alle
Eventualitäten. In seinem Drang nach Klarheit
und Struktur erstellt er in neuen Situationen
gedankliche Systematisierungslisten, die über
kuriose Vergleiche die Absurdität darstellen,
welche sich für den Jungen ergeben.
Der Autor:
Die
Illustratorin:
für die Fotos: (c) privat / Oetinger-Verlag (bj für die AJuM der GEW) |
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